
Ein geschliffener Glasstein, den mein 13 Jahre älterer Bruder mir geschenkt hat, bevor er auszog um zu studieren.
Ich habe nie einen ähnlichen Stein gesehen. Er scheint keine Funktion zu haben – vielleicht ein Briefbeschwerer oder ein Relikt aus alten Zeiten. Zusammen mit dem Herzen ist er für mich ein Altar zum Thema „Geschwisterliebe“.
Gerlinde E.
29. Juli 2008,
10:34 Uhr,
Eine Tchibo-Kaffeedose aus den frühen 60er Jahren. Mein Großvater bewahrte darin seinen Familienschmuck auf. Unter anderem diese Brosche, mit integrierten Photos seiner Kinder. Als ich ca. fünf Jahre alt war, habe ich ihm diese Dose entwendet, mit in den Kindergarten genommen und meinen Freunden „meinen Schatz“ gezeigt – habe goldene, viel zu große Ringe an meinen Fingern getragen. Ich war der Held des Tages.
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29. Juli 2008,
10:24 Uhr,
Dieser kleine Beutel ist ein Souvenir, genauer gesagt ein Geschenk, das mir ein Rastafari gemacht hat, der nichts besaß, wirklich nichts außer zwei Mülltüten, in der einen eine Decke, in der anderen ein Regenschutz. Ich habe ihn an einem Strand auf Guadeloupe kennengelernt und wir haben drei Monate lang jeden Tag Zeit miteinander verbracht. Ich muss dazu sagen, dass ich zu dieser Zeit ebenfalls wenig Geld hatte.
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15. März 2008,
19:01 Uhr,
Wann und wie der Zenturio zu mir kam, weiß ich schon nicht mehr. Fest steht nur, dass er irgendwann Ende der 80er der Schlüsselanhänger meiner Schwester war. Dann scheint er abgebrochen zu sein. Zum ersten Mal in Erinnerung ist er mir nach dem Umzug nach Frankfurt 1997, als er in der Kiste (Schreibtisch) auftauchte. Er stand dann erst ein Jahr auf dem Schalke-Altar und seither auf der Küchenuhr. Warum? Vielleicht als Hinweis auf die Zeit? Auf das ständige Zuspätsein? Oder weil er da nicht immer um-/runterfällt. Schön ist er ja nicht und sympathisch sieht er auch nicht aus. Aber warum wegschmeißen?
Dr. Lothar B.
3. März 2008,
20:49 Uhr,
Eltern sein heißt Sammler werden! Das beginnt mit dem Sammeln der Milchzähne und hört erst auf wenn die Kinder längst ausgezogen sind und man ihnen immer noch ein Zimmer mit ihren Jugendmöbeln freihält. Meine Eltern haben, bis ihnen unverhofft ein Enkelkind zufiel, die Kommode aufgehoben auf der ich gewickelt wurde. Sie leistet jetzt wieder gute Dienste, sicher, trotzdem seltsam. Ich selbst werde diesen Bären behalten und mit der Geschichte dazu nerve ich jetzt Euch und später meine Tochter, bis er zu Lumpen zerfallen ist.
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24. Januar 2008,
20:06 Uhr,
Dieses Schild habe ich als Trophäe und Erinnerung an meine Zeit in Stuttgart aus dem Hausflur eines anständigen Wohnhauses entwendet. Es gab immerhin drei davon … Jetzt hängt es an meinem WG-Putzschrank um mich auch außerhalb Schwabens an die kleine Kehrwoche zu erinnern – oder war es die große? (Von den Schwaben lernen heißt Kehren lernen!)
Katrin I.
24. Januar 2008,
19:57 Uhr,
Zugegeben: Es ist schon etwas länger her, dass ich diese Lederjacke getragen habe. Jetzt hängt sie im Keller im Kleiderschrank und zaubert zweimal im Jahr ein Lächeln in mein Gesicht: immer dann, wenn ich die Sommer- bzw. Winterjacken rauskrame. Mittlerweile ist es schon 15 Jahre her, dass ein Freund mir diese selbstbemalte Jacke geschenkt hat; sie erinnert mich an „wilde“ Jugendzeiten, an eine tolle Zeit in Amerika und an meine erste große Liebe. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Frühling, wenn ich wieder den Schrank aufmache und diese Lederjacke kitschige Erinnerungen weckt.
Kristina K.
19. Januar 2008,
17:52 Uhr,
Mehr als elf Jahre haben mich diese Laufschuhe begleitet. Einige Tausend Kilometer, auf denen ich alle möglichen Gedanken gewälzt habe. Filmideen, Liebeskummer, Lebensplanung, immer begleitet vom trott-trott-trott auf Asphalt und schlammigen Pfaden. Allein, die Hand zum stillen Gruß einem nur vom Sehen bekannten Jogger erhoben, oder mit hunderten und tausenden anderen beim Berlin-Marathon, die sich fit halten oder in der Masse meditieren wollten.
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19. Januar 2008,
17:45 Uhr,
Dieses Schiff heißt Seagull 2 (dt. Seemöve) und ist nach einem Ostsee-Butterfahrtsdampfer benannt. Es erinnert mich an meinen Freund Tim, den ich seit der ersten Klasse kenne. Wir haben das Boot im Werkkeller seine Vaters gebaut. An die Unterseite hatte ich den Motor vom Playmobil-Polizeiboot genagelt. Am nächsten Tag und sind wir zum „Kleinen See“ gefahren, um unsere Boote fahren zu lassen. Der Motor ist nach vielen Einsätzen leider irgendwann abgefallen. Aber das Boot werde ich hüten wie meine Freundschaft mit Tim.
Kai Z.
19. Januar 2008,
17:38 Uhr,
2005 bin auf dem Landweg in den Iran gereist. Von Izmir nach Ostanatolien saß ich 24 Stunden im Bus. Zwischenstation war Van, mitten im kurdischen Gebiet. Ich ging in ein Internetcafe, um Adressen von günstigen Hotels rauszusuchen und lernte dort zwei irakische Kurden kennen. Sie luden mich ein, bei ihnen zu wohnen. Ich sehnte mich nach einem stillen Hotelzimmer und einer Dusche, konnte aber nicht ablehnen. Die beiden wohnten in einer Art Flüchtlingslager außerhalb der Stadt, überall waren UN-Blauhelme. Abends gingen wir in der Stadt was essen. Bei einem anschließenden Gang über den Bazar schenkten mir meine Gastgeber auch noch diese Vase. Ein Ablehnen war wieder unmöglich, da ich zuvor aus falscher Höflichkeit sagte, dass ich diese unglaublich hässliche Vase sehr schön fände.
Kai Z.
19. Januar 2008,
17:35 Uhr,